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Die Villa Eugenia

Die Villa Eugenia und der Fürstengarten werden heute meist nur mit der Fürstin Eugenie und dem Fürsten Konstantin in Erinnerung gebracht. Doch die Geschichte von Park und Villa reicht einige Jahrzehnte weiter zurück. Der ursprüngliche Lustgarten der Hechinger Fürsten befand sich in der Unterstadt, in der Gegen der heutigen Hofgartenstraße. Auf dem bekannten Merian-Stich von Hechingen ist dieser Lustgarten sehr schön zu erkennen. Im Jahr 1786 gab Fürst Joseph Wilhelm, der Erbauer der Stiftskirche, diesen Lustgarten auf und ließ stattdessen südlich der Stadt den heutigen Fürstengarten anlegen, einen Landschaftspark im englischen Stil. Mitten in diesem Park entstand ein Lust-Garten-Haus im klassizistischen Stil, ein mit Vasen bekrönter Kuppelbau. Dieser Bau war nicht als Wohnsitz der Familie gedacht, sondern lediglich sommerliches Gartenhaus. Es gibt zwei Pläne für dieses Lust-Garten-Haus, von denen aber keiner exakt umgesetzt wurde. Die meiste Verwandtschaft mit dem tatsächlichen Bau hat ein Plan, der mit E. A. von Lammerz unterzeichnet ist und die Jahreszahl 1786 trägt.

Dies änderte sich erst mit der Heirat des Erbprinzen Friedrich Wilhelm Konstantin und Eugenie von Leuchtenberg-de Beauharnais 1826. Die großartige Friedrichsburg, die einst fast den ganzen Schlossplatz eingenommen hat, war abgebrochen worden und das an seiner Stelle errichtete Neue Schloss noch nicht fertiggestellt. Im gegenüberliegenden Alten Schloss lebte der alte Fürst Friedrich, so dass an wohnlichen Schlössern in Hechingen nur noch der Lindich blieb, der aber im Winter, so weit vor der Stadt gelegen, als Wohnsitz nur bedingt geeignet war. So entschied man sich, das im Fürstengarten gelegene Lusthaus für das Erbprinzenpaar erweitern zu lassen.

Das Geld für den Anbau der beiden Seitenflügel, der dann aber erst 1833/34 realisiert wurde, kam von der Erbprinzessin Eugenie: Sie verkaufte dafür ihr Schloss Eugensburg im Thurgau in der Nähe des Bodensees. Der Entwurf für den Anbau der beiden Seitenflügel stammte entweder von dem Baumeister A. von Clavel oder von dem fürstlichen Bauleiter Wiest. Die Handwerken waren alle Einheimische, so dass der Bau auch dazu diente, die Wirtschaft in dem finanziell gebeutelten Fürstentum ein wenig anzukurbeln.

Bei der Erweiterung von 1833 wurde das Kuppeldach des alten Lust-Garten-Hauses entfernt und ein Obergeschoß aufgebaut, die Kuppel durch ein Zeltdach mit Plattform ersetzt, der Rundbau seines Vasenschmucks beraubt und dem neuen Geschmack der Zeit entsprechend mit Wandpilastern belegt. Zu beiden Seiten fügte man zweistöckige Flügelbauten an. Sie sind um etwa ein Meter höher als der Mittelbau und haben nach der Frontseite flache Giebel. Anders als im Mittelbau gibt es in den Seitenflügel nur einen einfachen biedermeierlichen Stuckfries.

Während der Regierungszeit des Fürsten Konstantin, von 1838 bis 1850, war die Villa Eugenia, Mittelpunkt eines regen Hoflebens. Auch fürstlicher Besuch, vor allem aus der Familie der Fürstin Eugenia, kam häufig in die Zollernstadt. So etwa 1838 die Kaiserin von Brasilien, eine Schwester Eugenies. Wurde das Hofleben bereits nach dem Tod der Fürstin Eugenie 1847 stark eingeschränkt, so führte die Revolution von 1848 und der Übergang des Fürstentums an Preußen 1850 zu einem weiteren Niedergang. Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin zog sich 1850 auf seine Besitzungen nach Schlesien zurück, die fürstlichen Bauten in Hechingen übertrug er gegen eine Entschädigung an die Sigmaringer Linie.

Dennoch fanden in der Folge bedeutende Ereignisse in der Villa Eugenia statt, allen voran die offizielle Übergabe des Fürstentums an Preußen am 8. April 1850. Ein Jahr später stieg König Friedrich Wilhelm IV. in der Villa Eugenia ab, in einem großen, im Fürstengarten aufgestellten Zelt fand damals ein Festbankett für 300 Personen statt. 1855 übernachtete der spätere Kaiser Wilhelm I. in der Villa. Auch die fürstliche Familie Hohenzollern-Sigmaringen verbrachte hier zum Teil mehrere Wochen und dokumentierte so, dass sie des gesamt-hohenzollerischen Erbes bewusst war.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 ging das kulturelle und höfische Leben in der Villa Eugenia immer mehr zurück. Das Gebäude wurde nun intensiv für Wohnzwecke genutzt. Dabei wurde das ursprüngliche Raumgefüge durch Zwischenwände und andere Umbaumaßnahmen zum Teil erheblich verändert. Eine letzte fürstlich-hohenzollerische Ära der Villa Eugenia begann in den 1950er Jahren, als Prinz Franz-Joseph von Hohenzollern-Emden mit seiner Familie das historische Gebäude bezog. 1995 kaufte die Stadt Hechingen die Villa Eugenia und plante dort, das in Tübingen angesiedelte Europa-Zentrum unterzubringen. Nachdem sich diese Idee zerschlagen hatte, gab es lange Diskussionen über die Zukunft dieses geschichtsträchtigen Kleinods, an dessen Ende die Entscheidung für die Sanierung durch einen Förderverein stand, der 2001 gegründet wurde. Noch im selben Jahr übertrug der Gemeinderat der Stadt Hechingen den Besitz der Villa an den Förderverein, der das Gebäude bis Ende 2005 sanieren möchte. Als Kultur- und Tagungszentrum soll in der Villa Eugenia wieder an alte glanzvolle Zeiten angeknüpft werden.

Uwe A. Oster

(2. Vorsitzender des Fördervereins)