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Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin Die Politik langweilte Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin - sein ganzes Streben galt der Musik. Schon als junger Erbprinz, in den Jahren 1826/27, setzte er alle Hebel in Bewegung, um erstklassige Musiker in die schwäbische Provinz zu verpflichten. Zugute kam ihm dabei sein gewinnendes Wesen und seine ehrliche Begeisterung für die Musik. Schon 1827 kam der Name ins Spiel, der die Hechinger Musikwelt über 20 Jahre hinweg entscheidend geprägt hat: Thomas Täglichsbeck. Der gebürtige Ansbacher war seit 1819 Orchesterdirektor des Isartor-Theaters in München. Friedrich Wilhelm Konstantin bot ihm mehr Geld, als er in München verdiente, auch eine staatliche Pension sicherte er ihm zu. Als der alte Fürst Friedrich dies ein wenig zuviel des Guten fand, erklärte sich sein Sohn bereits, gegebenenfalls selbst die höhere Summe aufzubringen. Nur Täglichsbeck sollte endlich nach Hechingen kommen, nachdem mit dem Klaviervirtuosen Georg Wichtl bereits ein hervorragender erster Geiger gefunden war. Und Täglichsbeck kam - am 1. Mai 1827. Als der französische Komponist Hector Berlioz 1843 nach Hechingen, verfasste er einen stimmungsvollen Bericht, der zwar zeigt, dass die Qualität einzelner Musiker noch zu wünschen übrig ließ, doch die Begeisterung, mit der Fürst Konstantin selbst bei der Sache war und der ganz besondere Zauber, der von diesem Hof ausging, überdeckte die Schwächen mühelos. So schrieb Berlioz damals an einen Freund: "Wenn ich soeben sagte, Hechingen sei eine kleine Stadt, so habe ich damit seine geographische Bedeutung überschätzt. Hechingen ist nicht einmal ein Dorf, höchstens ein Marktflecken, auf einem ziemlich steilen Abhang erbaut... Oberhalb des Fleckens und diesen vollständig beherrschend, liegt die Villa Eugenia, die der Fürst bewohnt. Zu Rechten dieses kleinen Palastes ein tiefes Tal und ein wenig weiter eine raue unbewachsene Bergkuppe, von der alten Festung Hohenzollern gekrönt. Der Regent dieser romantischen Szenerie ist ein geistreicher, lebhafter, gutmütiger junger Mann, den nur zwei Dinge zu beschäftigen scheinen: der Wunsch, die Einwohner seines kleinen Staates so glücklich wie möglich zu machen und die Liebe zur Musik. Können Sie sich ein glücklicheres Dasein vorstellen? Alles in seiner Umgebung ist zufrieden; die Untertanen verehren ihn, die Musik liebt ihn. Er versteht etwas von Dichtung und von Komposition..., er hat wenn auch kein Theater, so doch wenigstens ein kleines Orchester unter der Leitung eines hervorragenden Musikers, Thomas Täglichsbeck." Natürlich war dies aus dem Blickwinkel des hohen Gastes gesehen; die graue Realität des Fürstentums am Rand des Staatsbankrotts hat Berlioz nicht wahrgenommen. Was ihn faszinierte, war die Ausstrahlung des höfischen Hechingen. Über die Arbeit mit der Hechinger Hofkapelle schrieb Berlioz: "Es waren im ganzen acht Violinen, drei davon sehr schwach, drei Bratschen, zwei Violoncelli, zwei Kontrabässe. Der Konzertmeister namens Stern ist ein begabter Virtuose. Der Violoncelllist Oswald verdient dieselbe Auszeichnung. Der Pastor und Archivar von Hechingen spielt den ersten Kontrabass zur Zufriedenheit der anspruchvollsten Komponisten. Die erste Flöte, erste Oboe und erste Klarinette sind vorzüglich... Die zweiten Blasinstrumente genügen, die beiden Fagotte und Hörner lassen ein wenig zu wünschen. Was die Trompete (es gibt nur eine) und die Pauken betrifft, so möchte man jedes Mal, wenn sie einsetzen, wünschen, man hätte sie lieber gebeten zu schweigen. Sie können nichts. Sie lachen, mein lieber Girard, und wollen mich fragen, was ich mit so einem kleinen Orchester habe anfangen können? Nun, mit Geduld und gutem Willen, durch Einrichten und Abändern gewisser Stimmen, mit fünf Proben in drei Tagen, haben wir die Ouvertüre zum "König Lear", den "Marsch der Pilger", den "Ball" aus der "Phantastischen" und verschiedene andere Bruchstücke bewältigt... Und alles ging sehr gut, sogar mit Schwung. Der Fürst von Hechingen hielt sich zur Seite des Paukenschlägers auf, um seine Pausen für ihn zu zählen, und ihn zum rechtzeitigen Einsetzen zu veranlassen; ich hatte in den Trompetenstimmen die Stellen gestrichen, die wir für die beiden Mitwirkenden als unaufführbar erkannt hatten. Nur die Posaune war sich selbst überlassen; aber, da sie klugerweise nur die Töne angab, die ihr sehr geläufig waren... und alle anderen sorgfältig vermied, glänzte sie fast überall durch Schweigen. Nach dem Konzert fand ein Souper in der Villa Eugenia statt. Die liebenswürdige Fröhlichkeit des Fürsten hatte sich allen seinen Gästen mitgeteilt. Er wollte mich mit einer seiner Kompositionen für Tenor, Klavier und Violoncello bekannt machen. Täglichsbeck setzte sich ans Klavier, der Komponist übernahm den Gesangspart und ich wurde unter Freudengeschrei der Versammlung bestimmt, die Violoncellostimme zu singen. Man beklatschte das Stück reichlich und lachte beinahe ebensoviel über das eigene Timbre meiner hohen Saite. Besonders die Damen konnten sich kaum beruhigen. Zwei Tage darauf musste ich Abschied nehmen und nach Stuttgart zurückkehren. Die großen Fichten, auf denen der Schnee schmolz, standen in Tränen, der weiße Mantel der Berge bekam schwarze Flecken, das war traurig" In zahlreichen Proben und mit unendlicher Geduld gelang es Täglichsbeck aus der Hechinger Hofkapelle schließlich einen zwar quantitativ eher dünn besetzten, aber musikalisch beeindruckenden Klangkörper zu formen. Die Auftritte der Kapelle fanden zunächst im engeren Kreis des Hofes statt, doch gab es bei kirchlichen Festtagen auch große Aufführungen der Hofkapelle in der Stiftskirche. Von 1843 an waren die sonntäglichen Hofkonzerte in der Villa Eugenia "halb öffentlich". So konnten die Mitglieder der Museumsgesellschaft und des Musikvereins (des Vorläufers der heutigen Stadtkapelle) diese Konzerte kostenlos besuchen. Dazu kamen Besucher von außerhalb - der Ruf der Hechinger Hofkapelle hatte die Grenzen des kleinen Landes längst überschritten. Die Villa Eugenia war in diesen Jahren ein kultureller Treffpunkt, wie es ihn zuvor und danach nie wieder in Hechingen gegeben hat. Und mit der Zeit kamen auch die Größen der damaligen Musikwelt in die Zollernstadt: neben Hector Berlioz waren dies vor allem Franz Liszt (der wie Berlioz zum hohenzollern-hechingischen Hofrat ernennt wurde), Louis Spohr oder der Stuttgarter Kapellmeister Peter Lindpaintner. Mit dem Tod der Fürstin Eugenie 1847 kam der erste große Einschnitt. Die Zeit der glänzenden Hoffeste war erst einmal vorbei, und mit der Revolution von 1848 - die zeigte, dass doch nicht alle Bewohner des Ländchens von ihrem Fürsten so begeistert waren, wie Berlioz geglaubt hatte - wurde das "orpheische Hechingen" endgültig zu einem abgeschlossenen Kapitel der Geschichte. Friedrich Wilhelm Konstantin war erschrocken über diesen Ausbruch der Unzufriedenheit, der ihn in seiner Unlust zu regieren nur weiter bestärkt hat. Die Abdankung und Übergabe des Fürstentums an Preußen war die logische Konsequenz dieser Haltung. Friedrich Wilhelm Konstantin sah sich als Musenfürst. Am liebsten hätte er seine Zeit als reicher Landedelmann verbracht. Zwar wollte er seinen Hofkapellmeister Täglichsbeck aus Gründen der Staatsräson nicht erlauben, auf die Hofuniform zu verzichten, doch was er letztlich selbst davon hielt, zeigt ebenfalls ein Zitat aus einem Brief an Täglichsbeck: "Das Puppenspiel der Hofetikette ekelt mich an". So ironisch es daher auf den ersten Blick scheinen mag: Letztlich war es die Revolution von 1848, die Friedrich Konstantin das Leben ermöglichte, das er immer führen wollte. Er zog sich auf seine von der Mutter geerbten Besitzungen in Schlesien zurück, wohin er auch seine Hofkapelle mitnahm und ausschließlich seinen Neigungen lebte. Sogar Richard Wagner besuchte ihn dort. Obwohl die Hechinger Stadtväter bald einsahen, dass ihre Stadt mit dem Hof auch allen Glanz verloren hatte und den Fürsten daher baten, wieder zurückzukommen, blieb Konstantin in Schlesien. Erst als Toter, 1869, kehrte er in sein einstiges Fürstentum zurück. Und es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass die Kapelle, die den Trauerzug begleitete am Ende einen Hochzeitsmarsch spielte, weil ihr das Repertoire an Trauermärschen vorzeitig ausgegangen war. In der Gruft unter der Stiftskirche wurde Konstantin neben der Fürstin Eugenie beigesetzt. Uwe A. Oster (2. Vorsitzender des Fördervereins) |