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Fürstin Eugenie

Die Namensgeberin der Villa:
Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen

Es war der 3. Juni 1826, als die nunmehrige Erbprinzessin Eugenie nach Abschluss der Vermählungsfeierlichkeiten in Eichstätt und München bei Gauselfingen, in Begleitung ihres Gemahls, des Erbprinzen Friedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, die Landesgrenze des damals souveränen Fürstentums überschritt, in dem ihr Schwiegervater Fürst Friedrich regierte. Der Empfang in ihrer neuen Heimat war herzlich, aus den Albdörfern der Umgebung waren die Menschen herbeigeeilt. Über Burladingen, das Killertal hindurch, gelangte die junge Prinzessin, von hoffnungsvollen Blicken begleitet, in die fürstliche Haupt- und Residenzstadt Hechingen. Dort war der Empfang fast überschwänglich: In der Herrenackerstraße prangte ein Triumphbogen, auf dem ein Musikkorps Aufstellung genommen hatte, dabei standen die fürstlichen und städtischen beamten, die Geistlichkeit, die Schuljugend und die Bürgergarde Spalier, ebenso die Vertreter der großen jüdischen Gemeinde. Also alles "eitel Sonnenschein"? Der Empfang, der sich über mehrere Tage erstreckte, dürfte der damals 18-jährigen durchaus imponiert haben, als eine besonders gute Partie dürfte die Familie der Braut den Hechinger Prinzen kaum betrachtet haben.

Dies zeigt zum einen ein Blick auf den Stammbaum der Familie der Braut, zum anderen ein Vergleich mit den sehr viel besseren Partien, die die Schwestern Eugenies gemacht haben. Eugenie war eine Tochter des Eugen Beauharnais, dessen Mutter wiederum die erste Gemahlin Napoleon Bonapartes war. So ist die Fürstin Eugenie also eine Stiefenkelin Napoleons gewesen. Ihr Vater Eugen war in napoleonischer Zeit Vizekönig von Italien, in seiner Residenzstadt Mailand kam die spätere Hechinger Fürstin denn auch 1808 zur Welt. Die verwandtschaftlichen Bande erwiesen sich nach dem Sturz Napoleons fast als verhängnisvoll; bei Nacht und Nebel musste die Familie aus Mailand fliehen. Doch den völligen gesellschaftlichen Abstieg verhinderte die Mutter Eugenies, Anna Amalia von Bayern. Sie war eine Tochter König Max I. Joseph, und so wurde Bayern die neue Heimat der Familie de Beauharnais. Der König verlieh seinem Schwiegersohn das eigens für ihn geschaffene Herzogtum Leuchtenberg mit der Hauptstadt Eichstätt. In Eichstätt, Ismaning und München wuchs die spätere Hechinger Fürstin auf, und zwar in durchaus luxuriösen Verhältnissen. Über die Lebensumstände schrieb der französische Geschäftsträger Coulomb 1822: "Der Prinz Eugen Beauharnais entfaltet größeren Luxus als der (bayerische) Hof". Der Palast der Familie in München habe zwei Millionen Gulden gekostet. Dazu kam die Residenz in Eichstätt, deren Besucher bei einem Rundgang die damalige Pracht noch erahnen können und die Sommerfrische von Ismaning mit ihren jüngst restaurierten Prunkräumen, deren Fresken im pompejanischen Stil damals absolut auf der Höhe der Zeit waren.

Wie bereits angedeutet, heirateten die Geschwister Eugenies deutlich ranghöhere Partner. Die älteste Schwester, Josephine, wurde Königin von Schweden, Bruder August heiratete Königin Maria da Gloria von Portugal, Amelie ehelichte Kaiser Pedro I. von Brasilien, Maximilian die Großfürstin Maria Nikolajewna von Russland. Nur Theodolinde heiratete mit dem Grafen Wilhelm von Württemberg, dem Erbauer des Schlosses Lichtenstein bei Reutlingen, einen rangniederen Fürsten. Doch wie kam es, dass der Brautwerbung des Hechinger Prinzen soviel Erfolg beschieden war ? Zum einen dürfte der Tod von Eugenies Vater eine Rolle gespielt haben, zum anderen gab es wesentlich mehr heiratsfähige Prinzessinnen denn Prinzen. Und schließlich waren die Hohenzollern eines der ältesten Adelsgeschlechter Süddeutschlands, deren Vettern als preußische Könige in Berlin regierten, und immerhin war das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen ein souveräner Staat.

Die Realitäten haben Eugenies Verwandte bei dieser Eheschließung jedoch niemals aus den Augen verloren. Dass dieser souveräne Staat finanziell völlig darniederlag, insgesamt nur 12000 Einwohner hatte und die Haupt- und Residenzstadt Hechingen gerade 3000 Einwohner aufzuweisen hatte, war in Eichstätt wohlbekannt. Handel, Industrie und Infrastruktur hatten geradezu abenteuerliche Missstände aufzuweisen. So bestand die Mutter Eugenies auf einem förmlichen Vertrag, der die junge Erbprinzessin schließlich zur Gläubigerin des ganzen Fürstentums machte. Die gesamten Staatseinkommen samt dessen Grundbesitz mussten an Eugenie verpfändet werden. Wenn das Staatswesen nach ihrem frühen Tod geeinter war als zuvor und man in den Nachbarstaaten vom "orpheischen Hechingen" sprach, so war dies nicht nur dem musikalisch begabten und kunstsinnigen Fürsten Friedrich Wilhelm Konstantin zu verdanken, sondern mindestens in demselben Maße der Fürstin Eugenie, deren finanzielle Mittel dieses Hofleben erst ermöglicht haben.

Wer heutzutage jedoch den Namen Fürstin Eugenie nennt, der denkt in erster Linie an ihr soziales Engagement und ihre tiefe Religiosität. Dies waren denn auch die beiden bestimmenden Komponenten von Eugenies Zeit in Hechingen. Ob dies auch schon in Eichstätt der Fall war, lässt sich nur schwer erkennen; in Hechingen jedenfalls haben zwei Entwicklungen den Hang Eugenies zur Religiosität und zum karitativen Wirken noch verstärkt: Die Ehe des Fürstenpaares blieb kinderlos, um so mehr schenkte Eugenie ihre Aufmerksamkeit den Kindern der Bürger ihrer Residenzstadt. Dies war wohl auch der Antrieb für die Gründung der Kinderbewahranstalt, des späteren Fürstin-Eugenie-Kindergartens 1839. 60 Kinder bildeten die erste, muntere Besatzung des Gebäudes. Jährlich flossen 2000 Gulden aus dem Privatvermögen der Fürstin in ihre Gründung. Mit dem Geld ließ es Eugenie nicht bewenden: Mit einem Schubkarren fuhr sie die Kinder durch den Garten, trug sie "Huckepack", während die Kinder sie "Fürstenmama" riefen.

Dazu kam ihr Wirken für die sozial schwächer gestellten Bewohner des Fürstentums, und dazu kam ihr Eifer in allen religiösen Fragen. Letzterer gründete auch im Verhältnis zu Fürst Konstantin. Im Gegensatz zu seiner sittenstrengen Gemahlin war der kein "Kostverächter", und Eugenie war diese Schwäche ihres Gemahls auch bekannt. Die Anekdote, nach der der Fürst seinen Gästen des Abends ein "Schoklädle", sprich eine nackte Schöne, in die Kammer bringen ließ, ist zwar nicht belegt, aber durchaus glaubhaft. Umgekehrt ging Konstantin der religiöse Eifer Eugenies zu weit, und er ließ sie dies auch spüren. Dennoch arrangierte sich das so ungleiche Ehepaar, und auf seine Weise wird Konstantin seine Frau auch geliebt haben, wenngleich Eugenie doch immer von eine gewissen Traurigkeit umgeben schien.

Anders als Eugenie war Konstantin nicht in einer trotz aller politischen Wirren glücklichen Familie behütet aufgewachsen. Seine Mutter Pauline von Kurland hat nach der Geburt ihres Sohnes schnell das Weite gesucht. Sie war eine Dame von Welt, gut bekannt mit Johann Wolfgang von Goethe, die Hechinger Provinz war ihr schnell zu eng geworden.

Zwar war auch Eugenie äußerst musikalisch und nahm am höfischen Leben in der Villa Eugenia oder auf dem Schloss Lindich regen Anteil, doch ihre hauptsächliche Aufgabe als Fürstin sah sie neben der Förderung der Kirche im karitativen Bereich. Dies zeigt nicht nur ihr Testament, in dem sie 273 000 Gulden für soziale Zwecke hinterließ, sondern auch ihr tägliches Wirken in ihrem kleinen Fürstentum. da war zum einen der Einsatz für die Kranken, der keinen Standesdünkel kannte. In Begleitung einer Hofdame pflegte die Fürstin Kranke zu besuchen, machte den Bauern auf der Alb ihre Aufwartung und kümmerte sich um die Alten und Ausgestoßenen. Als die Fürstin einmal eine Blinde besuchte, fragte die Hofdame Eugenies die kranke, alte Frau, woran sie den Händedruck der Fürstin von dem ihren habe unterscheiden können. Die Antwort der Blinden lautete, die Fürstin habe die raueren Hände. Und in der Tat: Eugenie wusch die Kranken, kämmte sie, wechselte ihre Verbände und pflegte sie. Das alles war sicher eine Flucht aus der Realität einer kinderlosen, nicht unbedingt glücklichen Ehe, auch ihre eigene angegriffene Gesundheit wird dabei eine Rolle gespielt haben, doch gleichwohl zeugen die größtenteils belegten Geschichten von dem beispiellosen Einsatz einer regierenden Fürstin, wie ihn die damalige Zeit wohl nur selten zu verzeichnen hatte.

So erscheint es verständlich, dass die Fürstin in Hechingen unvergessen geblieben ist. Die Verbundenheit der Hechinger mit ihr zeigt die nach ihr benannte Straße, das 1884 errichtete Denkmal vor dem einstigen Kindergarten - und natürlich die Villa Eugenia, in der nach der Sanierung in einem Raum an die Fürstin, ihren so ganz anderen Gemahl und das "orpheische Hechingen" erinnert werden soll.

Die Fürstin starb am 1. September 1847 im Alter von gerade 39 Jahren. Beigesetzt wurde sie in der Gruft unterhalb der Hechinger Stiftskirche, ihr Herz jedoch gelangte in die Gruft der bayerischen Wittelsbacher, nach St. Michael in München. Erst 1952 wurde der Pokal mit ihrem Herzen in die Hechinger Stiftskirche gebracht und während eines abendlichen Gottesdienstes in einer Nische beim Choraufgang beigesetzt.

Uwe A. Oster

(2. Vorsitzender des Fördervereins)