Ausstellungsräume | Villa Eugenia

Kunstaustellung | maß & masse von Markus Wilke und Christoph Traub

maß & masse

maß & masse


Markus Wilke & Christoph Traub
Die historische Villa Eugenia in Hechingen lädt herzlich zur Ausstellung „maß & masse“ ein. Vom 25. Oktober bis zum 29. November 2026 begegnen sich hier die Arbeiten des Malers Markus Wilke und des Bildhauers Christoph Traub.

Zwei Künstler, zwei unterschiedliche Medien – und doch verbindet sie eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der Frage nach Form, Körper, Material und Ordnung. In ihren Arbeiten treten Kreatur und Ding, Verdichtung und Fragmentierung in einen spannungsreichen Dialog. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielschichtiger Parcours durch die fünf Räume der Villa, in dem Malerei und Skulptur immer wieder neue Beziehungen eingehen.

Markus Wilke – Ordnung im Ungeordneten
Seit 2013 beschäftigt sich Markus Wilke mit einem neuzeitarchäologischen Konzept. Ausgangspunkt seiner Arbeit sind fotografische Bestandsaufnahmen, die auf Entsorgungsdepots entstehen. Was auf den ersten Blick zufällig, wertlos oder ungeordnet erscheint, wird für Wilke zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Suche nach Struktur und Zusammenhang.

Während seine frühen Arbeiten noch von Schüttungen geprägt waren, die teilweise an Landschaften erinnerten, richtet sich sein Blick zunehmend auf Bündelungen und Verdichtungen. Einzelne Fragmente, Gegenstände und Formen werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in eine neue bildnerische Ordnung überführt.

Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der „Bodenseekollektion“, die einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet. Wilke verwandelt die amorphe Vielfalt entsorgter Dinge in abstrakte Bildwelten. Aus Fragmenten entsteht eine neue Einheit, aus scheinbarer Unordnung eine eigene Form.

Seine Malerei stellt damit auch eine Frage nach dem Wert der Dinge: Was bleibt zurück, wenn Gegenstände ihren ursprünglichen Zweck verlieren? Und welche neue Bedeutung kann ihnen durch künstlerische Betrachtung gegeben werden?

Wilkes Arbeiten bieten darauf keine eindeutige Antwort. Vielmehr laden sie dazu ein, selbst nach Formen, Strukturen und Zusammenhängen zu suchen – und in der vermeintlichen Unordnung eine alternative Ordnung zu entdecken.

Christoph Traub – Bewegung im Stein
Den Arbeiten von Markus Wilke stehen die Skulpturen des Bildhauers Christoph Traub gegenüber. Sein Material ist von einer ganz anderen Beschaffenheit: Granit, Marmor und Kalkstein – massiv, schwer und scheinbar unbeweglich.

Doch Traub bringt diese Eigenschaften in Bewegung.

Seine Skulpturen nähern sich immer wieder der menschlichen Form an. Dabei geht es nicht um eine naturgetreue Darstellung des Körpers, sondern um dessen grundlegende Eigenschaften: Volumen, Proportion, Schwerpunkt und Bewegung.

Durch die bewusste Verteilung von Massen und Schwerpunkten scheinen seine Steine beinahe ihre eigene Schwere zu überwinden. Formen geraten ins Schwingen, Körper werden angedeutet, aufgelöst oder fragmentiert.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Behandlung der Oberflächen. Sie verleiht dem Stein eine Lebendigkeit, die im scheinbaren Gegensatz zu seiner materiellen Dauerhaftigkeit steht.

In der Werkgruppe „Schwung, Element, Fragment“ wird diese Spannung besonders sichtbar. Der Stein wirkt beinahe leicht und beweglich, obwohl seine materielle Festigkeit erhalten bleibt. Das Fragment wird dabei nicht lediglich als Bruchstück verstanden, sondern als eigenständige Form – als Teil eines Körpers, der zugleich auf seine ursprüngliche Ganzheit verweist.

So verbinden sich in Traubs Arbeiten Leichtigkeit und Schwere, Vergänglichkeit und Dauer, Körper und Abstraktion.

Ein Dialog zwischen zwei Welten
In der Villa Eugenia treffen diese beiden künstlerischen Positionen aufeinander. Hier die aus Fotografien und Fundstücken entwickelte abstrakte Malerei von Markus Wilke, dort die aus gewachsenem Stein herausgearbeitete Skulptur von Christoph Traub.

Beide Künstler beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem, was bleibt und was sich verändert.

Wilke sucht in den zurückgelassenen Dingen nach einer neuen Ordnung. Traub sucht im Stein nach Bewegung und menschlicher Form. Der eine verdichtet Fragmente zu einer Bildfläche, der andere reduziert und formt Masse zu einer Skulptur.

Gerade aus diesen Gegensätzen entsteht der besondere Reiz der Ausstellung „maß & masse“.

Die historischen Räume der Villa Eugenia werden dabei selbst zu einem Teil des Ausstellungserlebnisses. Zwischen Architektur, Malerei und Skulptur entsteht ein Parcours, der dazu einlädt, die Werke aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und immer wieder neue Verbindungen zwischen ihnen zu entdecken.

„maß & masse“ ist damit nicht nur eine Begegnung zweier Künstler, sondern eine Einladung, über Form und Material, Wert und Vergänglichkeit, Ordnung und Fragmentierung neu nachzudenken.

Vita von Markus Wilke

Markus Wilke ist ein freischaffender Maler und lebt und arbeitet in Reutlingen. In Köln aufgewachsen, kam er bereits als Jugendlicher nach Reutlingen. Seit 1983 ist er als freischaffender Künstler tätig.

Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit realisierte Wilke seit den 1980er-Jahren zahlreiche Projekte und Installationen im öffentlichen Raum. 1988 gründete er „Kunst vor Ort“, mit dem er Schaufensterinstallationen in Süddeutschland und der Schweiz entwickelte. Darüber hinaus war er als Dozent an verschiedenen Akademien tätig und arbeitete wiederholt an interdisziplinären und gesellschaftlich ausgerichteten Kunstprojekten. 2006 führte ihn ein Aufenthalt nach Kuba, wo er mit der dortigen Kunstszene kooperierte. Seit 2014 ist Wilke Mitglied im Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler Baden-Württemberg (VBKW).

Im Mittelpunkt seines heutigen künstlerischen Schaffens steht die Malerei. Seit etwa 2013 beschäftigt sich Wilke intensiv mit fotografischen Motiven von Schrottplätzen, Recyclinghöfen und Entsorgungsdepots. Die dort vorgefundenen Ansammlungen von Verpackungen, Konsumgütern und Industrieabfällen überführt er in großformatige, zunehmend abstrakte Bildkompositionen.

Dabei interessiert ihn besonders der Übergang vom Gegenständlichen zur Abstraktion. Die ursprünglich klar erkennbaren Dinge verlieren durch Verdichtung und Fragmentierung ihre individuelle Identität und werden zu einer amorphen, malerischen Masse. Aus dem scheinbar Wertlosen entsteht eine neue visuelle Ordnung.

Wilkes Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, unter anderem in der Region Neckar-Alb sowie in Stuttgart, Freiburg, Weil am Rhein, Bad Hersfeld und Berlin.

Seine Kunst verbindet dabei gesellschaftliche Beobachtung mit einer ausgeprägten Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Materialität und der Frage nach dem Wert der Dinge.

Markus Wilke mit Malerei

Vita von Christoph Traub

Christoph Traub, geboren 1964 in Stuttgart, ist ein freischaffender Bildhauer und lebt und arbeitet in Schorndorf.

Nach einem Bildhauerpraktikum bei Prof. Fritz Nuss im Jahr 1983 absolvierte Traub von 1984 bis 1987 eine Ausbildung zum Steinbildhauer bei Hans Neuwirth. Anschließend studierte er von 1988 bis 1989 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Gerd von Dülmen. Seit 1990 arbeitet er als freischaffender Künstler.

Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht die Skulptur, insbesondere die Auseinandersetzung mit der menschlichen Gestalt. Traub arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie Granit, Marmor, Kalkstein, Basalt und Diabas. Dabei verbindet er die natürliche Beschaffenheit des Steins mit einer reduzierten, häufig fragmentarischen Formensprache. Seine Skulpturen bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion und lassen häufig Körper, Torsi oder einzelne Körperfragmente erkennen.

Ein besonderes Merkmal seiner Arbeiten ist das Spannungsverhältnis zwischen Schwere und Leichtigkeit, Stabilität und Bewegung. Durch die Bearbeitung von Volumen, Oberfläche und Schwerpunkt scheint Traub dem massiven Stein eine eigene Dynamik zu verleihen.

Seit 1990 ist Christoph Traub an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Darüber hinaus nahm er an internationalen Bildhauersymposien unter anderem in Ägypten, Belgien, China, Frankreich, der Schweiz, der Türkei, Syrien und Albanien teil. Seine Arbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen und sind auch im öffentlichen Raum vertreten.

Traubs künstlerisches Werk verbindet die ursprüngliche Kraft des Materials mit einer intensiven Beschäftigung mit dem menschlichen Körper – zwischen Fragment, Bewegung und zeitloser Form.

Christoph Traub mit Skulpturen

Pressetext

Ausstellungsbilder

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