Ausstellungsräume | Villa Eugenia

Kunstaustellung: Unterwegs

Graviert, geätzt, gedruckt - Einblicke in die Landschaft

Künstler: Anett Frey, Eckhard Froeschlin, Anja Klafki, Helm Zirkelbach

Vier Stile, vier Persönlichkeiten. Allen vier KünstlerInnen gemein ist die Liebe zum Tiefdruck, die Leidenschaft für die Technik der Radierung, die Hingabe zur Landschaft und deren freier Interpretation.


Anett Frey bevorzugt die Kaltnadel, die direkte Gravur ins Metall und beeindruckt durch erstaunliche Hell-Dunkel Nuancen. Es ist das Spannungsfeld zwischen der suchenden und der harten akzentuierenden Linie in ihrem Werk.
„In ihren Druckgraphischen Arbeiten lassen sich die Grate und Krater der Druckplatten auf dem Blatt förmlich als Landschaft lesen. Manchmal ist die Linie, der Strich schonungslos in seiner Härte und Dominanz, dann wieder scheint sich das Motiv in einer Verästelung aus feinsten und zarten Linien fast aufzulösen.“ Dr. Katrin Burtschell


Anja Klafki versteht Druckgrafik nicht als Reproduktionsmedium, sondern als eigenständiges Ergebnis künstlerischen Denkens und Handelns. Dabei ist der handwerkliche Charakter ein wichtiges Element: Die unterschiedlichen Techniken und das Druckmaterial selbst formen den Schaffensprozess entscheidend mit. Daraus hat sich ein besonderer Zugang zum Werk entwickelt, der das Skulpturale und Haptische fokussiert: Klafki bearbeitet die Druckplatten intensiv mit Radiernadel, Beitel, Hammer und Zangen und nutzt neben traditionellen Materialien wie Metall und Holz auch Kunststoffplatten, Furniere etc. Diese unterschiedlichen Druckstöcke sind nicht nur bloße Träger eines Motivs, sondern zugleich grundlegend für den künstlerischen Prozess und die Bildfindung.“ John Patrick Mikisch


Eckhard Froeschlin radiert Landschaften, die Reisebilder sind. Bei seinen Reisen, etwa nach Nicaragua, durch die USA oder Europa, entstehen zahlreiche Reiseaquarelle, die zusammen mit Fotografien einen Fundus bilden, aus dem er Bilderfindungen entwickelt. Diese haben selten mit der Darstellung von Landschaft, eher mit Kartografie zu tun, mit Verbindungsstrecken, Profilen und Assoziationen. Dementsprechend arbeitet er sich wie ein Alchimist durch die ganze Bandbreite der Radiertechniken, um die aus verschiedensten Blickwinkeln gesehene Landschaft als Montage neu zu erfinden. Die Radierung kommt dieser Methode entgegen, indem sie mit Kombinationen unterschiedlicher Druckplatten, mit fast unbegrenzten Möglichkeiten der Überarbeitung, und mit immer neu gefundenen Techniken ein weites Spielfeld schafft.

„Die Radierungen von Helm Zirkelbach faszinieren in ihrem haptischen Präsenz und durch die ästhetische Wirkung ihrer Oberflächen, die von einer samtigen Weichheit über eine körnige Pudrigkeit bis hin zu mürber Rauheit oder auch feinster Glattheit reichen können. Alles wirkt leichthändig ausgeführt und ohne Mühe entstanden, ganz entgegen dem bekannten aufwändigen Herstellungsprozess. Analyse und Synthese, Meditation und Spontaneität, Konstruieren und Empfinden – das alles wirkt zusammen. Dr. Sabine Heilig

Die Ausstellung mit Radierungen von Anett Frey, Eckhard Froeschlin, Anja Klafki und Helm Zirkelbach macht sichtbar welche Bedeutung Druckgrafik, insbesondere die über 500 Jahre alte Technik der Radierung heute, im Zeitalter der Digitalisierung, haben kann. Sie schafft eigene Werte, die mit Malerei und Zeichnung nicht erreicht werden können. Diese beruhen auf Sehen und Erkennen, und auch auf Erfinden, denn wie kaum eine andere künstlerische Drucktechnik integriert die Radierung moderne Technologien und kombiniert sie mit der Zeichenpräsenz und Farbdichte aus ihrer langen Geschichte.
Die Betrachter werden in die Lage versetzt, in jeder der ausgestellten Arbeiten, ob groß oder kleinformatig, die unterschiedliche Herangehensweise, die Kraft ihrer Gestaltung, die Feinheiten der grafischen Techniken und deren Wirkung für die Gesamtkomposition wahrzunehmen und zu erkennen, wie künstlerische Grafik in der Lage ist unsere Sichtweise zu erweitern.


Zeitraum: 24.10. – 12.12.2021
Eröffnung: 24.10. 2021 um 14 Uhr
Begrüßung: Angelika Kalchert
Einführung: Henner Grube
Vortrag & KünstlerInnengespräch am 07.11.2021 um 14 Uhr, mit Frau Dr. Veronika Mertens, Direktorin Kunstmuseum Albstadt

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